Multiskalige numerische Modellierung und Optimierung der Wirkung des Kühlschmierstoffs beim Wälzschälen

Abbildung: Übersicht, Kopplung und Kompetenzverteilung des multiskaligen Simulationsansatzes

Ziel des Projektes ist eine modellbasierte, multiskalige Optimierung der Wirkung des Kühlschmiermittels auf die Spanbildung in dem kinematisch komplexen und für den Kühlschmierstoff schlecht zugänglichen Zerspanungsprozess Wälzschälen, der durch herausfordernde lokalveränderliche Schnittbedingungen gekennzeichnet ist. Wälzschälen ist ein kontinuierlich abwälzendes Zerspanungsverfahren für Innen- und Außenverzahnungen, welches durch die fortschreitende Elektrifizierung des Antriebstranges insbesondere für die Herstellung von Planetengetriebe in der Automobilbranche zunehmend an Bedeutung gewinnt. Beim Wälzschälen und verwandten Verfahren rotieren sowohl Werkzeug als auch Werkstück synchron mit hoher Drehzahl. Dabei variieren die Spanungsbedingungen entlang des Schneideneingriffes. Die entstehenden Späne stören den Prozess immer wieder, weil sie an den Werkstück- und Werkzeugoberflächen anhaften oder zwischen Werkstück und Freifläche geraten. Dadurch kommt es zu Effekten wie Spanklemmern und Schneidkantenausbrüchen, die sich negativ auf die Oberflächenqualität und den Werkzeugverschleiß auswirken. Erst das Verständnis für die Spanbildung und den eng mit der Applikation des Kühlschmierstoffs korrelierenden Abfluss der Späne ermöglicht ein Verständnis für die Bildung von Spanklemmern.

Die dominanten Faktoren für die Spanbildung sind die Prozessstellgrößen, sowie die Kühlschmierwirkung zwischen Span und Spanfläche. Eine modellbasierte Prozessoptimierung erfordert sowohl die Berücksichtigung der KSS-Zufuhr als auch der Verteilung unter den dynamischen Randbedingungen im Zerspanungsprozess. Insbesondere die wirksamen Kühl- und Reibungseffekte auf der Spanfläche sind zu beschreiben, um die Spanbildung adäquat abzubilden. Die wirksamen Mechanismen sind jedoch zu komplex, um den gesamten Prozess in einem einzigen Simulationsmodell abzubilden. Mit einem multiskaligen Simulationsansatz, welcher die Spanbildung, die am Prozess beteiligten Fluidströmungen sowie die Reibungseffekte miteinander koppelt, soll die Kühlschmierstoffzufuhr und ihre Wirkung auf Spanbildung und -transport abgebildet werden. Auf dieser Basis wird die Kühlschmierstoffzufuhr optimiert, um kompakte, nicht haftende Späne zu erhalten. Die Optimierung von Wälzschälprozessen auf stabile und vorteilhafte Spanbildung führt zu besseren Oberflächen und längerer Werkzeugstandzeit. Die Kooperation zwischen dem Institut für Produktionstechnik (wbk), dem Institut für Thermische Strömungsmaschinen (ITS) und dem Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik (IWM) ermöglicht die mechanismenbasierte Modellierung und Optimierung der Teilbereiche unter Berücksichtigung der physikalischen Wechselwirkung auf verschiedenen Skalen.

In der ersten Förderperiode sollen folgende Meilensteine erreicht werden:

  • Abgleich von Randbedingungen aus dem Wälzschälen für den Analogieprozess im orthogonalen und gebundenen orthogonalen Schnitt
  • Numerische Teilmodelle der Kühl- und Schmierwirkung des Mediums und der Spanbildung
  • Einstellen der Randbedingungen und Modellparameter zur adäquaten Abbildung lokaler Kenngrößen wie Geschwindigkeiten, Kräfte, Temperaturen und Spanformen
  • Erstellung des Gesamt-Prozessmodells des gebundenen Schnitts mit Druckluft und Kühlschmierstoff

Antragsteller:

Projektbearbeiter:

Prof. Dr.-Ing. habil. Volker Schulze

Institut für Produktionstechnik 

Karlsruher Institut für Technologie

Telefon: +49 721 608 42440

E-Mail: Volker.Schulze@kit.edu

Florian Sauer, M.Eng

Institut für Produktionstechnik 

Karlsruher Institut für Technologie

Telefon: +49 1523 950 2592

E-Mail: Florian.Sauer@kit.edu

Prof. Dr.-Ing. Hans-Jörg Bauer

Institut für Thermische Strömungsmaschinen

Karlsruher Institut für Technologie

Telefon: +49 721 608 43240

E-Mail: hans-joerg.bauer@kit.edu

Matthias Haber, M.Sc.

Institut für Thermische Strömungsmaschinen

Karlsruher Institut für Technologie

Telefon: +49 721 608 45838

E-Mail: matthias.haber@kit.edu

Prof. Dr. rer. nat. habil. Michael Moseler

Freiburger Materialforschungszentrum

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Telefon: +49 761 5142 332

E-Mail: michael.moseler@iwm.fraunhofer.de

Dr. Leonhard Mayrhofer (kommissarisch)

Gruppe Multiskalenmodellierung und Tribosimulation

Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik

Telefon: +49 761 5142 388

E-Mail: leonhard.mayrhofer@iwm.fraunhofer.de